Der Weg ist das Ziel

Im letzten Beitrag hatte ich ja schon erwähnt, dass wir noch ein bisschen durch Gebiete fahren wollen, die wir noch nicht kennen. Unsere Tagesziele, wenn überhaupt, sind eher kleinere Strecken, da wir ja mittlerweile von Urlaub zu Work & Travel übergegangen sind. Bedeutet also nachmittags / abends fahren oder eben mehr am Wochenende.

Von Spille aus ließen wir uns also spontan treiben und tingelten Richtung Laç und übernachteten am Antoniuskloster. Ich muss gestehen, da wir beide nicht gläubig sind, waren wir von der Masse an Menschen, die diesen Ort innerhalb der Woche ohne Feiertage besuchen, etwas überrascht. Aber man lernt ja nie aus, und nach kurzer Recherche erfuhren wir, dass Dienstag ein Pilgertag ist. Nach einer ruhigen Nacht war uns dies dann insgesamt aber doch zu viel Trubel 😇 und wir zogen weiter.

Weiter entlang der SH 30 landeten wir dann an einer Art Stausee mit einem Wasserkraftwerk (Diga e Liqenit Rrëshen). Am See gibt es ein sehr schönes Restaurant (Real Park Mirditë), was im Sommer sicherlich sehr beliebt ist, aber zu dieser Jahreszeit angenehm ruhig war. Wir durften hier kostenfrei übernachten und genossen einen langen Spaziergang und einen schönen Abend mit gutem Essen – der Tisch war viel zu reichlich gedeckt 😅

Am Vorabend hatten wir beschlossen der „alten“ SH 30 weiter durch die Berge zu folgen. Viel spannender als den kurzen Weg über die „neue“ A1 – denn schließlich ist der Weg das Ziel und wir wollten das Gebiet noch etwas kennenlernen.

Teilweise etwas kurvig 😅

Also ging es am nächsten Tag erstmal nur ein kleines Stückchen weiter zum „Monument to the Martyrs of Freedom“, nahe der „The Church of Ndërfand (Kisha e Ndërfandës)“. An dieser Stelle sind mehrere Denkmäler zu verschiedenen Ereignissen und Menschen entstanden.

Dieses Denkmal erinnert an die Schlacht von Gziqi im Zweiten Weltkrieg, zur Befreiung des Landes vom deutschen Besatzer (22.10. – 26.10.1944).

The Church of Ndërfand (Kisha e Ndërfandës)

In den nächsten Tagen schlängelt wir uns also durch die Berge. Wir hatten ab und an etwas Regen und die Temperaturen hier im Gebirge waren natürlich niedriger – aber landschaftlich einfach fantastisch  😍

Dort mussten wir zum Glück nicht lang fahren  😉

„Rundumblick“ von einem Übernachtungsplatz

Gojani Wasserfall – Ujëvara e Gojani’t Te Vogel

Zwischendurch mussten wir natürlich auch mal lecker Essen gehen  😋 Der Stopp bei „Mish n’Tra“ hat sich als Glücksfall entpuppt und wir wurden vom Allerfeinsten verwöhnt. Der Besitzer hat fünf Jahre in Italien gelebt und dort gelernt hervorragende Salami und leckeren Schinken / Speck zu produzieren. Wir durften einen Blick in die „Speisekammer“ werfen und die Köstlichkeiten probieren – Danke dafür!

Weiter geht es durch die Berge  🙃

So schön Albanien ist, so schwierig sind manche Ecken … An den Straßen hat sich schon viel getan, an der ein oder andere Stelle fehlt es dann an der Nachhaltigkeit  🤷‍♀️ nachfolgendes Video ist stellvertretend für viele andere Straßenschäden.

Und noch so ein Punkt, den wir oft nicht nachvollziehen können – der Müll am Straßenrand. Manchmal ist das Problem die Müllabfuhr, manchmal aber auch die Menschen selbst. Hier gibt es noch viel Potential nach oben – aber dies kennen wir so, oder so ähnlich, auch aus Griechenland, Italien, Bulgarien … Nichts desto trotz, sollte man intensiv daran arbeiten – ignorieren ist keine Lösung. Und mit den vielen Touristen wird es leider nicht besser  🙁

Wilde Müllkippen, einzelne Müllberge, kaputte Müllcontainer … auch das sieht man leider neben der schönen Landschaft.

Letzte Station auf unserer „Bergtour“ – Kukës. Zugegeben es gibt, nach meinem Geschmack, schönere Städte, aber die Geschichten um den Ort sind schon interessant.

Das ursprüngliche Kukës wurde in den 1970er Jahren durch den Bau des Fierza-Staudamms überflutet und wurde danach neu errichtet. Dadurch befindet sich ein weiteres interessantes Detail unterhalb Kukës – hier kann man einen Teil eines Tunnelsystems erkunden (mit Führung), welches erst durch den Neubau der Stadt erbaut wurden. Die Tunnelsysteme / Bunker wurden 1989 fertiggestellt, mit Sturz der Regierung aber nie genutzt. Wir haben sie uns diesmal nicht angeschaut, vielleicht wird es einmal ein Detail zu einer anderen Zeit.

1999 nahm Kukës zehntausende Flüchtlinge auf, hierfür wurden sie auch international gewürdigt. Inoffiziell erhielt die Stadt durch lokale Initiativen als humanitäre Ehrung den „Nobelpreis für Frieden“.

2021 wurde der International Airport Zayed Kukës eröffnet, bisher gibt es dort nur eine geringe Auslastung, wird aber politisch stark gefördert.

Wenn man schon mal hier ist, sollte man sich das alte Hotel anschauen, was langsam verrottet, aber man hat bzw. hatte von dort einen schönen Blick in die Landschaft.

Der Komplex wurde in den 1980er Jahren als staatliches Entwicklungsprojekt erbaut, um den Norden Albaniens touristisch zu öffnen. Die Eröffnung erfolgte zeitgleich mit dem Ende des kommunistischen Systems in Albanien. Das Gebäude wurde bis 1996 komplett geschlossen, bevor es also überhaupt wirklich in Betrieb genommen werden konnte. Da keine Instandhaltung erfolgte, zerfällt der Bau und symbolisiert das Scheitern zentralgeplanter Investitionen in Zeiten politischer Umbrüche.

Ich finde ja, ein guter Ort um ein lebendiges Museum daraus zu gestalten, aber es wird wohl einfach nur seinem Schicksal überlassen.

Kukës kann man, von Tirana aus, über die A1 (E851) innerhalb von 2 Stunden erreichen – wir sind mehrere Tage durch die Berge gefahren, und haben die verschiedenen Aussichten sehr genossen, schöne „Wow“ Momente erlebt und würden uns immer wieder für die „langsamere“ Variante entscheiden. Allein schon, um uns bei „Mish n’Tra“ mit leckerer Salami einzudecken  😅

Als wir Kukës verließen, hatten wir diese Aussicht …

 

🥶 … Zeit also, schnell wieder an’s Meer zu fahren  😅

Mittlerweile haben wir schon wieder neue Orte entdeckt, dazu aber beim nächsten Mal 😉

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